„Trauma ist die am meisten vermiedene, ignorierte, verleugnete, missverstandene und unbehandelte Ursache menschlichen Leidens.”
(Dr. Peter A. Levine)

Was ist ein Trauma? 


Der Begriff Trauma kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Wunde“. 
Man kann ihn bildhaft als eine „Verletzung der Seele“ verstehen, die durch Überforderung der psychischen Schutzmechanismen bei einem traumatisierenden Erlebnis entsteht. 


Ein Trauma ist sehr individuell und eine Definition von Trauma alles andere als einfach. Jeder Mensch erlebt und verarbeitet Traumata auf individuelle Weise, und die Art und Weise, wie sie sich auf das Leben auswirken, kann ebenfalls stark variieren.  

Manchmal kann ein Trauma so überwältigend sein, dass unsere üblichen Bewältigungsstrategien nicht ausreichen, um damit umzugehen. In solchen Fällen kann therapeutische Unterstützung von entscheidender Bedeutung sein. 


Arten von Traumata


Schocktrauma


Ein Schocktrauma bezeichnet eine psychische Reaktion, die infolge eines extrem belastenden oder lebensbedrohlichen Ereignisses auftritt. 
Dies kann ein Unfall, eine Naturkatastrophe, ein bewaffneter Überfall, Missbrauch oder eine andere lebensbedrohliche Situation sein. Personen, die ein Schocktrauma erleben, können eine Vielzahl von emotionalen, körperlichen und psychischen Reaktionen zeigen. Diese können unmittelbar nach dem Ereignis auftreten oder sich verzögert zeigen. Während einige Schocktraumata innerhalb von einigen Monaten von selbst heilen, benötigen andere eine therapeutische Unterstützung bei der Verarbeitung. 
Symptome können sich auch Jahre nach dem traumatischen Ereignis noch zeigen.

Folgen von Schocktraumata


Viele Menschen sind sich gar nicht bewusst, dass sie unter einer Traumafolgestörung leiden. Trauma hat viele Gesichter, und die Auswirkungen einer PTBS (Posttraumatischen Belastungsstörung) können vielfältig sein:

  • Wiederkehrende Alpträume
  • Plötzlich auftauchende Bildfetzen (sog. Flashbacks)
  • Angst, Angststörungen, Panikattacken 
  • Vermeidung von Situationen, um nicht mit dem Trauma konfrontiert zu werden
  • Erhöhte Reizbarkeit
  • Erhöhte Schreckhaftigkeit
  • Schlafstörungen und Angst vor dem Einschlafen
  • Verflachung der Gefühle und Interessen
  • Extreme Stimmungsschwankungen und Aggressivität
  • Entfremdungserleben oder das Gefühl “neben sich zu stehen” 
  • Veränderungen bei Aufmerksamkeit und Bewusstsein, z.B. Verlust von Erinnerungen
  • Neigung zu Dissoziationen. 




Therapie bei Posttraumatischer Belastungsstörung nach einem Schocktrauma


Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)  ist eine Reaktion des Körpers und des Geistes auf ein traumatisches Ereignis, das überwältigend und sehr belastend und beängstigend war.
Menschen mit PTBS können Schwierigkeiten haben, das Ereignis zu verarbeiten, und sie erleben wiederkehrende Albträume, Flashbacks oder extreme Angstgefühle, die ihr tägliches Leben beeinträchtigen. PTBS ist eine Reaktion auf außergewöhnlich schwierige Ereignisse, und es gibt Behandlungen und Unterstützung, die helfen können, damit umzugehen und sich davon zu erholen.

In meiner Praxis arbeite ich mit Ihnen mit der Rational-Emotiven & kognitiven Verhaltenstherapie nach Ellis, sowie anderen Interventionen, die eine PTBS lindern helfen können.



Komplexes Trauma


Ein komplexes Trauma entsteht, wenn ein Mensch über einen längeren Zeitraum kontinuierlich oder wiederholt physischer oder auch psychischer Gewalt ausgesetzt ist, wie es z. B. bei anhaltendem Mobbing oder anhaltender häuslicher Gewalt der Fall sein kann.
Die Symptome einer komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung (KPTBS) können vielfältig und sehr individuell sein.
Es können sowohl Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung als auch Symptome eines Entwicklungstraumas auftreten, aber auch weitere Symptome sind denkbar.

Eine Form des komplexen Traumas ist das sog. Entwicklungs- oder Bindungstrauma



Bindungs- und Entwicklungstrauma


Ein Entwicklungstrauma bezeichnet wiederholte und anhaltende traumatische Erfahrungen während der Kindheit, die die normale Entwicklung eines Kindes beeinträchtigen.
Beispiele können Kriegs- und Fluchterfahrungen, anhaltendes Mobbing, körperlicher oder seelischer Missbrauch, oder lange Klinikaufenthalte in der frühen Kindheit sein.
In jedem Entwicklungstrauma steckt auch eine Bindungsverletzung.

Wenn in der sensiblen Entwicklungsphase der frühen Kindheit traumatische Erfahrungen gemacht werden, die unmittelbar auf die Beziehung zwischen dem Kind und seiner/n Bezugsperson/en zurückzuführen sind, spricht man von einem Bindungstrauma.

Ein Bindungstrauma stellt immer gleichzeitig auch ein Entwicklungstrauma dar.


Unsere Bewältigungsmechanismen und ihre Auswirkungen


Wir Menschen entwickeln Mechanismen, um auf Verletzungen zu reagieren. Mit großer Anstrengung entwickeln wir Fähigkeiten und Kompetenzen, die uns stark genug machen, um durchzuhalten und zu überleben. Diese Leistung ist bemerkenswert und wertvoll.

Vielleicht haben wir gelernt, durchzuhalten, auszuhalten, uns zu disziplinieren, besonders viel zu leisten, uns zu verschließen, uns anzupassen, uns zu wehren oder uns nicht zu wehren – bis hin zu dem Punkt, an dem wir uns selbst nicht mehr spüren. 
Diese Fähigkeiten waren möglicherweise einmal unsere Rettung. 
Heute nehmen wir oft nicht mehr wahr, welche Fähigkeiten uns diese Mechanismen ermöglicht haben und noch ermöglichen.

Auf der anderen Seite können diese  erworbenen Fähigkeiten dazu geführt haben, dass andere Fähigkeiten sich weniger entwickeln konnten. Das war vielleicht lange sinnvoll und funktional. Doch irgendwann merken wir, dass wir immer weiter durchhalten, ohne zu erkennen, dass wir die Situation aktiv verändern können. 
Oder wir disziplinieren uns immer noch zu sehr und vernachlässigen dabei unsere Bedürfnisse nach Erholung. 
Wir verschließen uns so sehr, dass es schwer fällt, sich in Beziehungen zu öffnen. 
Dieses starre Verhalten kann sich anfühlen, als wären wir von unserem eigenen Leben getrennt.

Gerade in Liebesbeziehungen werden früher oder später unsere alten Muster aktiv. Alte Verletzungen, dysfunktionale Bindungsmuster, emotionale Flashbacks und Traumata – all das wird durch die Nähe und Bindung aktiviert. Traumata auf der Beziehungsebene werden besonders häufig ins Erwachsenenleben mitgenommen.

Zu erkennen und zu verstehen, dass ein Verhalten früher einmal ein sinnvoller Überlebensmechanismus war, heute jedoch Ihre Authentizität und ein erfülltes Leben verhindert, kann gleichzeitig schmerzhaft und befreiend sein

 

"Jedes Bindungstrauma erzählt die Geschichte eines gebrochenen Herzens"

In meiner Praxis helfe ich Ihnen, diese Mechanismen zu durchschauen und neue, lebensbejahende Wege zu finden. Besonders in der Arbeit mit beziehungsbezogenen Traumata ist es wichtig, die Wurzeln der alten Muster zu identifizieren und gesunde Strategien zu entwickeln, um ein erfülltes und authentisches Leben zu führen. 

Therapie von Bindungs- und Entwicklungstraumata



Die Bewältigung traumatischer Erfahrungen ist ein sehr persönlicher Prozess, der eine flexible und fundierte Begleitung erfordert. Deshalb kombinieren wir in unserer Therapie verschiedene bewährte Methoden, um Sie umfassend zu stärken – sowohl in der tiefgreifenden Verarbeitung als auch in der täglichen Alltagsbewältigung.

Im Kern unserer Arbeit steht der verhaltenstherapeutische Ansatz. Hier liegt der Fokus auf dem Hier und Jetzt: Wir identifizieren gemeinsam die dysfunktionalen Bewältigungsstrategien, die Ihnen aktuell Schwierigkeiten bereiten. Ziel ist es, diese durch gesunde, konkrete Verhaltensänderungen zu ersetzen. Sie erlernen neue, alltagstaugliche Fertigkeiten, die Ihnen helfen, Ihre innere Stabilität zu verbessern und den Alltag wieder selbstbestimmt zu meistern.

Parallel dazu bietet die Gesprächstherapie den nötigen Raum für Klärung und Verständnis. In einem sicheren Rahmen können Sie Ihre traumatischen Erfahrungen, die damit verbundenen Gefühle und deren heutige Bedeutung beleuchten. Dieser Prozess ist essenziell für den Aufbau von Selbstverständnis und um Ihre eigenen Ressourcen bewusst zu erkennen und zu aktivieren.

Als tiefenwirksame Methode ergänzen wir die Therapie durch EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing). Dies ist eine wissenschaftlich anerkannte Methode, die speziell für die Verarbeitung belastender und traumatischer Erinnerungen eingesetzt wird. EMDR hilft, die emotionale Intensität der Erlebnisse deutlich zu reduzieren, sodass diese als vergangenes Ereignis verarbeitet und in Ihre Lebensgeschichte integriert werden können.

Dieser integrative Ansatz gewährleistet eine Behandlung, die gleichermaßen auf die Stabilisierung im Alltag und die tiefgreifende Verarbeitung der Ursachen ausgerichtet ist.


Zusätzlich kläre ich Sie über weitere Ansätze auf und passe die Behandlung individuell an Ihre Bedürfnisse an. Dieser Prozess hilft Ihnen, allmählich zu verstehen, wer Sie wirklich sind und wie Traumata in Ihnen wirken. Obwohl er herausfordernd sein kann, ist er lohnenswert, um langfristige Linderung, Veränderung und ein erfülltes Leben zu erreichen. Dabei unterstütze ich Sie.

Anzuerkennen, dass die Heilung von seelischen Verletzungen genauso wichtig ist wie die von körperlichen Verletzungen, ist ein bedeutender Schritt.